Der Besuch eines Basketballspiels, die traditionelle Ausfahrt auf das Stuttgarter Frühlingsfest und den Cannstatter Wasen, politische Bildungsreisen nach Berlin und Straßburg oder auch der Bezirkstag der Jungen Union Nordwürttemberg oder der CDU-Kreisparteitag. Die Liste der abgesagten und wohl auch in den kommenden Monaten nicht umsetzbaren Veranstaltungen der Jungen Union ist lang. Selten wurden die Abläufe der Jungunionisten so durcheinandergebracht wie in diesen Zeiten.

Doch auch davon lässt sich der Verband nicht davon abbringen, das politische Geschehen auch weiterhin zu verfolgen und vor allem mitzugestalten. Bereits am 22. März begann man, via Videokonferenz die monatliche Kreisvorstandssitzung abzuhalten. Der Pilotversuch klappte überraschend gut, sodass der Verband die Not inzwischen zu einer Tugend gemacht hat. Zu den Sitzungen gesellte sich kurze Zeit später nämlich ein monatlich veranstalteter Digital-Stammtisch. Auch dieser war ursprünglich eine haptische Veranstaltung gewesen – in einer, wie es inzwischen scheint, längst vergangenen Zeit. Die neue Realität trägt den Namen der Computersoftware Zoom, und auch so können sich die Mitglieder der Jugendorganisation an jedem ersten Donnerstag im Monat über aktuelle Themen mit verschiedenen Mandatsträgern austauschen. Den Anfang machte der Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Bietigheim- Bissingen, Fabian Gramling, der ganz nebenbei derweil auch politisch der Digitalisierung eine wichtige Rolle zuschreibt. Der 33-Jährige ist Vorsitzender der CDU-Kommission zu Digitalisierung, Innovation und Start-Ups. Die zweite Veranstaltung dieser Art führte der Verband in Kooperation mit der Jungen Union Rems-Murr und dem Waiblinger Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek durch. Mit gut 30 Teilnehmern war dieser Stammtisch ebenso sehr gut besucht.

Da die Coronakrise jedoch auch vor der Grenze des Landkreises nicht Halt macht, haben sich Ende April die JU-Kreisverbände Böblingen, Calw, Freudenstadt, Ludwigsburg, Rastatt und Zollernalb zusammengetan, und sich auf eine gemeinsame Streaming-Aktion unter dem Titel „JU TV“ verständigt, bei dem Spitzenpolitiker und Experten zur aktuellen Lage informieren. Auch diese Gespräche finden im digitalen Raum statt. Als Plattform dient der Streaminganbieter Twitch. Die Aufzeichnungen werden anschließend außerdem auf den Facebook- und Instagramkanälen der Kreisverbände veröffentlicht.

Insgesamt fünf Sendungen dieses Formats wurden bereits aufgezeichnet, drei weitere werden folgen. Den Start der Reihe machte am 27. April der Anästhesist Dr. Benedikt Latz. Der erfahrene Intensivmediziner ist in Tübingen beheimatet und erzählte den Teilnehmern von den aktuellen Herausforderungen der Medizin, ausreichend medizinisches Material bereitzustellen und einen Impfstoff zu entwickeln. „Corona als Chance für den digitalen Aufbruch?” war das Thema des Böblinger Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz. Der Digitalexperte sprach über die aktuellen Herausforderungen von Home Schooling und Home- Office. Die kommunalpolitischen Probleme der Krise brachte den Jungunionisten der Oberbürgermeister der Stadt Freudenstadt, Julian Osswald, der zugleich im Bundesvorstand des Verbands kommunaler Unternehmer ist, näher. Zum Thema „Nationalismus – das Corona- Leiden der EU” bezog der Europaabgeordnete Daniel Caspary Stellung. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Steffen Bilger, setzte die Reihe zum Thema „Corona als Renaissance für das Automobil?“ fort. In den kommenden Wochen folgen die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt und der Vorsitzender des Tourismusausschuss´ des Gemeindetags Klaus Mack.

Doch der Verband nutzt die Zeit nicht nur für digitale Veranstaltungen, sondern hat während der Krise auch seinen kompletten inhaltlichen, organisatorischen und internen Workflow überarbeitet. So wurde etwa ein neues Social-Media-Konzept entwickelt, mit dem die Junge Union fortan schneller und flexibler auf aktuelle politische Geschehnisse reagieren und mehr Menschen erreichen will. Zudem hat der Verband seinen Internetauftritt von Grund auf überarbeitet. Ein neues, interaktiveres und vor allem modernes Interface und viele neue Funktionalitäten, wie etwa die Funktion, sich von nun direkt auf der Website zu Veranstaltungen anmelden zu können, wurden integriert.

Zu den Neuerungen gehört auch eine neuaufgelegte Mitgliederkampagne. Unter dem Motto „Auf zu neuen Sphären“ will der JU-Kreisverband auch in Coronazeiten auf die Wichtigkeit hinweisen, sich aktiv in die Politik einzubringen und mitzudiskutieren. Gerade bei Belangen, die einen direkt vor Ort betreffen. Zur nachhaltigeren und digitaleren internen Arbeit hat die Organisation zudem die Plattformen Microsoft Teams und Trello eingeführt. Mit den Programmen will der Verband in Zukunft effektiver seine Veranstaltungen und die inhaltliche Arbeit besser strukturieren.